Der Websuchkonzern Google verkauft sein neues Handy Nexus One über eine eigene Internetseite. Der Direktvertrieb soll sogar ausgebaut werden. (von Arndt Ohler Hamburg)
Mit seinem neuen Handy Nexus One wagt sich Google gleich in zwei neue Geschäftsfelder vor. Zum einen hat der Konzern bislang keine eigenen Geräte verkauft. Zum anderen wird der dominierende Suchmaschinenanbieter nun zu einem Internethändler. Das Nexus One vertreiben die Kalifornier über die eigene Website www.google.com/phone. Zugleich kündigte Google an, künftig “eine ganze Serie von Geräten” auf der neuen Website anzubieten.
Googles neue Initiative dürfte eine Reaktion auf den eher schwachen Absatz von Handys mit dem offenen Android-Betriebssystem sein. Der Webkonzern hatte Android maßgeblich mitentwickelt. Angesichts der wachsenden Bedeutung des mobilen Internets muss Google sein Betriebssystem in den Markt drücken, um sicherzustellen, dass es sein lukratives Geschäft in den Mobilfunkmarkt hinüberretten kann.
Analysten halten die neue Vertriebsstrategie jedoch nicht für besonders aussichtsreich. “Wir denken, dass die Strategie risikoreich ist, da alle vorangegangenen Versuche, in Amerika direkt an Privatnutzer zu verkaufen, erbärmliche Misserfolge waren”, schrieb kürzlich Analyst Jeffrey Lindsay von der Bank Sanford C. Bernstein in Bezug auf den Handyverkauf.
Der Vertrieb von Produkten gehört bislang nicht zu den Stärken von Google. Verließ sich der Konzern bei Produkten wie Google Mail nahezu ausschließlich auf Mundpropaganda, hilft diese Formel nicht, um zum Beispiel Bürosoftware bei möglichen Unternehmenskunden zu verkaufen. Dafür sind Vertriebsspezialisten notwendig. Hier schlägt sich Microsoft mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung deutlich besser. Produkte wie die Musikspieler Zune oder iPod bieten Microsoft und Apple auch über eigene Websites an. Der wohl größte Teil wird jedoch über Handelspartner verkauft.
In Amerika ist es bislang für Privatnutzer äußerst unüblich, vertragsfreie Handys zu kaufen und erst danach einen Mobilfunkbetreiber zu wählen. Meist werden subventionierte Geräte direkt von Betreibern wie Verizon, AT&T, Sprint oder T-Mobile USA gekauft. Erschwerend kommt hinzu, dass Google sich erstmalig mit Aufgaben wie Lieferlogistik und Kundenservice für Geräte auseinandersetzen muss. Zwar gibt es dafür Dienstleister. Für Google gilt es jedoch, das bislang recht tadellose Image in Bezug auf die Qualität seiner Produkte aufrechtzuerhalten. Wie schwer sich Google im Onlinevertrieb tut, zeigt der Webbezahldienst Checkout. Jahre nach Einführung führt der Dienst im Vergleich zu Paypal von Ebay ein Schattendasein. “Diesen Schritt zu gehen birgt viele Risiken für Google”, sagte am Mittwoch Adam Leach, Analyst beim Marktforscher Ovum.
Teil 2: Smartphone-Kunden besonders attraktiv
Google gibt sich jedoch optimistisch, diese Hürden überwinden zu können. “Wir wollen das gesamte Nutzererlebnis einfach gestalten: ein einfacher Kaufvorgang, einfache Verträge der Netzbetreiber, einfache und problemlose Lieferung und Inbetriebnahme”, teilte der Konzern mit.
Den Mobilfunkunternehmen dürfte dies überhaupt nicht passen. Multifunktionshandys wie das Nexus One, das iPhone von Apple oder die Blackberrys von RIM dienen den Betreibern oft als Lockmittel, um Kunden für ihre Tarife zu gewinnen. So sorgte etwa die exklusive Bindung des iPhone in den USA an Verträge von AT&T zu einem enormen Zustrom an Neukunden. Smartphone-Kunden sind dabei besonders attraktiv, da sie jeden Monat viel Geld für ihr Handy ausgeben.
“Es wird interessant sein, zu sehen, wie Google das Handy bewirbt”, sagte Kessler. Google betonte bereits, dass das neue Gerät ausschließlich online beworben werden soll. Aufgrund der fehlenden Exklusivität werden Mobilfunker das Gerät Kunden wohl nicht besonders an Herz legen.
Evolution statt Revolution
Optik Googles Nexus One ist etwa genau so groß wie das iPhone des Rivalen Apple. Unter dem Bildschirm des Telefons gibt es vier Schaltflächen. Mittig darunter wiederum eine kleine Kugel, die zur Steuerung dient.
Konkurrenzvergleich Das Telefon besitzt ähnliche Funktionen wie die anderen Oberklassehandys iPhone, Droid oder Palm Pre. Das Design folgt dabei weitgehend dem Apple-Modell. Anders als das iPhone bei seinem Marktstart stellt das Nexus One keine Revolution dar. Es ist vielleicht ein bisschen schneller, hat aber kaum etwas zu bieten, was es nicht in fast identischer Weise bereits gibt. Lediglich die umfangreichen Möglichkeiten zur Sprachsteuerung von Funktionen wie E-Mail, SMS oder Internetsuche stechen heraus.
Vorteile Neben der hohen Geschwindigkeit durch den Snapdragon-Chip von Qualcomm punktet Google mit dem wechselbaren Akku. Zudem meldet das Telefon durch kleine Vibrationen, wenn Tasten berührt werden – eine Hilfe bei der Bedienung. Der Chip ermöglicht auch, dass mehrere Programme parallel laufen. Eine Funktion, die iPhone-Nutzer vermissen.
Start Das Nexus One ist ohne Vertrag in den USA, Großbritannien, Hongkong und Singapur erhältlich. In Amerika kostet es 529 $, mit Vertrag bei T-Mobile USA 179 $. In Deutschland soll es ab Frühjahr erhältlich sein.
Quelle: http://www.ftd.de/
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